Dienstag, 20. September 2016

TMS - Was du über den Medizinertest wissen solltest


Im April 2016 habe ich ihn selbst absolviert - den Test für medizinische Studiengänge (TMS). Für viele ist er die letzte Hoffnung auf einen zeitnahen Medizinstudienplatz in Deutschland und selbst Studienbewerber mit Superabi unterziehen sich oft dem TMS, weil die 1,0 an einigen Unis schon lange kein Garant mehr für einen Studienplatz ist. Doch was hat es mit diesem Test eigentlich auf sich? Was ist der TMS überhaupt? Muss man Angst haben? Viel dafür üben? Und wem bringt er eigentlich etwas? Es folgt eine kleine Aufklärung über den TMS.

1. TMS - Was ist das überhaupt?
Der Test für Medizinische Studiengänge, besser bekannt als der Medizinertest, ist ein mehrstündiger Studierfähigkeitstest, in dem Fähigkeiten überprüft werden, die eine hohe Aussagekraft über die Eignung für das Medizinstudium haben sollen. Der TMS ist an vielen deutschen Universitäten als Bewerbungskriterium zugelassen, um so den Stellenwert der Abiturnote bei der Studienplatzvergabe zu senken.

2. Wo und wann findet der TMS statt? Wie melde ich mich an?
Der TMS findet einmal jährlich (Ende April/Anfang Mai) zeitgleich an verschiedenen Orten Deutschlands statt. Eine Übersicht zu allen Testorten Deutschlands findet ihr hier. Anmelden könnt ihr euch ab dem 1. Dezember des Vorjahres bis zum 15. Januar des Testjahres, dafür müsst ihr euch auf der offiziellen Internetseite registrieren. Am besten registriert ihr euch möglichst früh, um definitiv einen Platz in der Stadt eurer Wahl zu ergattern. Denn sollte euer präferiertes Testlokal bereits ausgebucht sein, könnt ihr den TMS nur noch an Standorten absolvieren, an denen noch freie Plätze zur Verfügung stehen. Diese können unter Umstunden ziemlich weit von eurem Zuhause entfernt sein.

3. Wie ist der TMS aufgebaut? Muss ich für den TMS lernen?
Der TMS ist wie folgt aufgebaut:

Aufgabe
Aufgabenzahl
Zeit
Muster zuordnen
24
22 min
Medizinisch- naturwissenschaftliches Grundverständnis
24
60 min
Schlauchfiguren
24
15 min
Quantitative und formale Probleme
24
60 min
Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten
1
8 min
Pause (1 Stunde)
Merkfähigkeitstest (Einprägephase)
Figuren lernen
Fakten lernen

20 Lerneinheiten
15 Lerneinheiten

4 min
6 min
Textverständnis
24
60 min
Merkfähigkeitstest (Reproduktionsphase)
Figuren lernen
Fakten lernen

20
20

5 min
7 min
Diagramme und Tabellen
24
60 min

Beispielaufgaben und Wissenswertes findet ihr in der TMS-Infobroschüre.
Obwohl in der Broschüre geschrieben steht, dass man sich nicht auf den TMS vorbereiten kann, empfiehlt sich dennoch die ein oder andere Trainingseinheit. Ich selbst habe nur mit den beiden Originalversionen gelernt, weshalb ich keine Buchempfehlungen aussprechen kann. Für jeden Aufgabentyp gibt es eigene Übungsbücher von verschiedenen Verlagen, sodass ihr die Qual der Wahl habt. Trainiert besonders die Bereiche, mit denen ihr die größten Probleme habt. Es besteht auch die Möglichkeit, teure Seminare zu besuchen. Davon rate ich euch aber ab! Gebt keinen vierstelligen Betrag für Vorbereitungskurse aus, die eigentlich gar nicht nötig sind. Kauft euch lieber das ein oder andere Buch und übt beispielsweise eine Stunde täglich. Fangt rechtzeitig mit der Vorbereitung an und nicht erst drei Tage vorher (so wie ich), das stresst nämlich nur zusätzlich. In Online-Foren wie medilearn.de könnt ihr euch mit anderen Testteilnehmern austauschen und bei der Vorbereitung unterstützen. Allerdings sind auch diese Foren ein Hort der Panikmache. Lasst euch nicht von Leuten verunsichern, die angeblich seit Weihnachten für den TMS üben. Ein sehr gutes Ergebnis ist auch nach kürzerer Vorbereitung machbar!

4. Wie verläuft der Testtag?
Der TMS selbst beginnt um 10 Uhr morgens, die Testlokale öffnen aber bereits um 8 Uhr morgens ihre Pforten. Zwischen 8 und 9 Uhr müsst ihr euch in euer Testlokal begeben, um euch dort zu registrieren. Denn nur wer morgens anwesend ist, darf auch mitschreiben. Falls ihr es euch also anders überlegt haben solltet und doch nicht mitschreiben wollt (wegen Krankheit, Angst, etc.), dann taucht einfach nicht auf. Solange ihr euch am Testtag nicht registrieren lasst, dürft ihr in einem der Folgejahre teilnehmen. Die Testgebühr bekommt ihr allerdings nicht zurückerstattet.
Bei der Registrierung selbst müsst ihr eure Einladung vorlegen (diese wird wenige Wochen vor Testbeginn auf eurem TMS-Account zum Ausdrucken bereit gestellt, in ihr steht auch eure Sektornummer), sowie einen Ausweis (Personalausweis oder Führerschein) und - falls ihr noch minderjährig seid - eine von euren Eltern unterschriebene Einverständniserklärung. 
Euer Sektor ist wichtig. Angenommen ihr bekommt Sektor D zugewiesen, dann stellt ihr euch zur Registrierung in der Schlange zu Sektor D an. Nachher im Testsaal werdet ihr euch dann einen Platz in dem mit Sektor D ausgeschilderten Bereich suchen müssen.
Nach Vorlage der Unterlagen bei der Registrierung bekommt ihr ein TMS-Armband um euer Handgelenk geklebt, das ihr später beim Betreten des Testraums vorzeigen müsst. Außerdem bekommt ihr einen Klebestreifen mit 4 Aufklebern, die ihr später zum Bekleben eurer Testhefte braucht. 
Anschließend müsst ihr eure Habseligkeiten an der Garderobe abgeben. Mitnehmen dürft ihr nur erlaubte Gegenstände wie etwa eure Stifte oder Verpflegung, verpackt in durchsichtigen Tüten. Eine genaue Liste der erlaubten und verbotenen Gegenstände findet ihr hier.
Gegen 9 Uhr wird dann der Testsaal geöffnet. Alle suchen sich ihren Platz und die Testaufseher beginnen zu kontrollieren, ob alle Registrierten im Testsaal sitzen. Gegen 9:30 beginnt dann das "Programm". Euer Testleiter stellt sich vor. Dieser sitzt vorne auf einer Tribüne und redet über ein Mikrofon zu den meist mehreren Hundert Teilnehmern. Er wird euch den ganzen Tag lang durch den Test leiten, euch sagen, wann welche Aufgabe beginnt und wann ihr eure Stifte fallen lassen müsst, wann ihr umblättern sollt etc.
Nach der Hälfte des Gesamttests gibt es eine sechzigminütige Pause. Anschließend geht es weiter, bis der Test endet. Nach Ende müsst ihr so lange im Testsaal bleiben, bis die Mitarbeiter alle Testhefte auf Vollständigkeit durchgezählt haben. Nach einem Schlusswort des Testleiters dürft ihr dann den Saal - und somit auch das Gelände - verlassen.

5. Wann gibt's die Ergebnisse und was bedeuten diese?
Die Wartezeit, sprich die Zeitspanne zwischen Testtag und Ergebnistag, dauert etwa zwei Monate. Es ist nicht möglich, seine Ergebnisse zu einem früheren Zeitpunkt zu erfragen. Meist werden die Ergebnisse 1-2 Tage vor dem angegebenen Ergebnistermin veröffentlicht, was aber nichts daran ändert, dass ihr wochenlang warten müsst. Entweder, ihr macht euch während dieser Zeit verrückt, oder aber ihr nehmt es so wie ich und bleibt gelassen - ändern könnt ihr das Ergebnis ohnehin nicht mehr.
Am Ergebnistag wird auf eurem TMS-Account eine PDF-Datei hochgeladen, die aus mehreren Seiten besteht. Entscheidend ist die letzte Seite, denn auf dieser befindet sich eure persönliche TMS-Tabelle. Ein Beispiel für diese Tabelle und dafür, was die einzelnen Werte zu bedeuten haben, findet ihr hier. Generell gilt aber für alle Werte bis auf die Durchschnitssnote: Je höher, desto besser. Ein hoher Prozentrang, ein hoher Standardwert und ein Durchschnitt gleich oder nahe 1,0 sind ein Indiz dafür, dass ihr den TMS gerockt habt. Welchen Wert genau die Universität eurer Wahl berücksichtigt, müsst ihr selbst recherchieren, da im AdH jede Uni ihre eigene Suppe kocht. Die Uni Heidelberg interessiert sich für den Standardwert, die Uni Bochum hingegen für die Durchschnittsnote. Je nach Auswahlverfahren wird der TMS und euer (hoffentlich gutes) Ergebnis stark oder eher schwach im Verhältnis zu eurer Abiturnote gewichtet. Solltet ihr ein "schlechtes" Abitur haben, aber einen hervorragenden TMS, dann empfiehlt sich die Bewerbung an einer Universität, die dem TMS sehr viel Bedeutung schenkt. 

6. Wann sollte man den TMS machen?
Diese Frage beinhaltet eigentlich zwei. Einmal die Frage, ob man den TMS überhaupt machen sollte, und (für alle Schüler) die Frage, in welchem Alter sich der TMS empfiehlt.
Generell schadet es nicht, den TMS zu machen. Auch Personen, die bereits ziemlich sicher sein können, dass sie ein Abitur nahe 1,0 absolvieren werden, können den TMS machen. Wer zum Beispiel nach Heidelberg möchte, eine "schlechte" 1,0 hat (z.B. 850/900 Punkte im Abitur), der braucht den TMS ohnehin, um dort einen Studienplatz zu erhalten. Generell empfiehlt er sich aber besonders den Personen, die den hohen NC nicht knacken und die Wartezeitquote oder ein Studium im Ausland umgehen möchten. Je schlechter euer Abitur, desto besser müsst ihr beim TMS abschneiden, aber rechnerisch kann ein super TMS an einigen Unis sogar ein schlechtes Zweierabitur wettmachen.
Schüler fragen sich oft, in welchem Schuljahr sie zum Test antreten sollen. Ihr dürft den TMS frühestens ein Jahr vor dem Abitur absolvieren. Ihr müsst im folgenden oder aktuellen Jahr zur Abiturprüfung antreten. Vorher ist die Teilnahme am TMS nicht erlaubt. Des Weiteren müssen eure Eltern ihr schriftliches Einverständnis geben, falls ihr am Testtag noch minderjährig noch sein solltet. Ob ihr euch die TMS-Vorbereitung parallel zur Abiturvorbereitung antun wollt, müsst ihr selbst wissen. Ich persönlich finde es aber nicht sinnvoll, den TMS ein Jahr vor dem Abitur zu absolvieren. So habe ich noch bis zum Abitur vor allem in Biologie eine Menge Wissen angehäuft (primär in Neurologie), das mir Teile des TMS erleichtert hat. Beim medizinisch-naturwissenschaftlichen Grundverständnis und beim Textverständnis wusste ich die Antworten auf einige Fragen, ohne die zugehörigen Texte lesen zu müssen. Einen Zeitvorteil, den ich nicht gehabt hätte, hätte ich den TMS ein Jahr früher absolviert. Zudem ist es ratsam, sich in der Schulzeit auf den Schulstoff und nicht auf die TMS-Vorbereitung zu konzentrieren. Jeder Punkt mehr, den ihr euch in der Oberstufe erkämpft, bringt euch dem Medizinstudium näher.

7. Ich habe den TMS verhauen, was nun? 
Ein schlechtes Ergebnis, vor allem nach intensiver Vorbereitung, ist natürlich ernüchternd. Leider gilt hier "Chance vertan", da man nicht noch einmal zum TMS antreten darf. Dennoch: Ein schlechtes Ergebnis, beispielsweise die Gewissheit, dass man zu den 10% der schlechtesten Teilnehmer gehört, ist nicht mit eigener Doofheit gleichzustellen. Ein schlechter TMS ist kein Indiz dafür, dass ihr nicht für das Medizinstudium geeignet seid. Denn das TMS-Ergebnis beruht nicht einfach darauf, wie viel ihr richtig beantwortet habt, sondern darauf, wie viel ihr im Verhältnis zu den anderen Teilnehmern richtig beantwortet habt. Angenommen, ihr habt im Testteil "Diagramme und Tabellen" 20 von 24 Aufgaben richtig beantwortet (eine super Leistung, in der Schule mindestens Note 2), über 50% aller Teilnehmer haben aber 21 von 24 Aufgaben richtig beantwortet. Dann gehört ihr hier automatisch zur "schlechteren" Hälfte. Ihr seht, wie absurd die Bewertung ist. Und selbst, wenn ihr in einem Teil nur sehr wenig richtige Antworten haben solltet (denkbar wären 3 von 24), dann führt euch vor Augen, dass der TMS vom Schwierigkeitsgrad auf seine Teilnehmer ausgerichtet ist. Es sind keine leichten Aufgaben, denn die Teilnehmer sollen gestresst werden. Außerdem haben die Teilnehmer allesamt einen hohen Bildungsstand (es sind schließlich (Bald-)Abiturienten), dementsprechend anspruchsvoll sind die Aufgaben.
Bedenkt, dass der TMS nicht der einzige Weg zum Studienplatz ist. Es gibt den HamNAT, den MedAT, Auswahlgespräche, die Wartezeitquote, das Losverfahren und andere Möglichkeiten.

8. Vor- und Nachteile des TMS
Zum Schluss noch eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Tests für medizinische Studiengänge:

PRO CON
kein naturwissenschaftliches Vorwissen nötig wie etwa beim HamNAT oder MedAT
man darf den TMS nur ein einziges Mal im Leben absolvieren
Anerkennung an vielen deutschen Universitäten
man sollte ausreichend für den TMS üben, um kein schlechtes Ergebnis zu riskieren
Leute ohne Einserabi erhalten bei überdurschschnittlichem Ergebnis die Chance auf einen Medizinstudienplatz
ökonomische Komponente: Leute, die viel Geld in teure Seminare/Bücher investieren können, haben einen Vorteil gegenüber Leuten mit weniger finanziellen Mitteln
eigene Schwächen in bestimmten Testteilen können gezielt trainiert werden
Stresstest: Zeitdruck und große psychische Belastung während des Tests;
Glückssache: wer am Testtag einen schlechten Tag hat, ist im Nachteil   

Solltet ihr euch dazu entschieden haben, den TMS zu absolvieren, wünsche ich euch Viel Spaß bei der Vorbereitung (das Knacken der Matheaufgaben hat mir beispielsweise viel Freude bereitet) und natürlich Viel Erfolg für euren Testtag! 

1 Kommentar:

  1. Klasse - Artikel! Da bekommt man direkt Lust sich weiter auf Deinem Blog umzuschauen ;) ..

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